Report Nr.: 0450 - Selbständig als Glücksbringer
Vor ein paar Jahren engagierte ein Kaufhausmanager einen richtigen Schornsteinfeger, der - in schwarzer
Traditionskleidung und mit den Attributen seines Berufes: Besen und Ankerkugel neben sich - an einem bestimmten Platz
im Hause zu besichtigen war. Als besondere Attraktion durfte dabei der „Schwarze Mann“ auch angefasst werden, was dem
Volksglauben zufolge ja Glück bringen soll. Die Leute strömten in Scharen herbei, den willkommenen Boten kommender
Freuden auf ihre Weise zu begrüßen. Die meisten unter ihnen kauften dabei ‘dann auch noch eine Kleinigkeit - oder gar
einen größeren Artikel.
Da das Schornsteinfegergewerbe durch die ständig abnehmende Zahl der ofengeheizten Haushalte immer unattraktiver wird,
können Angehörige dieses Berufsstandes einmal angesprochen und eventuell an interessierte Kauf- und Warenhäuser,
Supermärkte und auch Partyveranstalter vermittelt werden.
Doch man muss kein gelernter Kaminfeger sein, um selbst einmal auf die hier bezeichnete Weise ein Geschäft
einzuleiten. Eine schwarze Kluft kann man sich schnell besorgen - vielleicht auch noch ein rosiges Glücksferkel dazu -
und zum Abschluss kommt noch ein alter Zylinder auf den Kopf, schon ist der Glücksbringer fertig.
Am besten lassen Sie sich einmal in der richtigen Schornsteinfegertracht mit allem Drum und Dran fotografieren und
bieten sich dann mit Prospekt und einem Bild von dieser Szene als glückbringender Werbemagnet an. Der Nutzen besteht
für das Unternehmen in der Tatsache, dass die Passanten in den Fußgängerzonen und auf der Straße, die davon hören,
dass man im Kaufhaus an der Ecke einen „Glücksbringer“ besichtigen und erleben kann, sich von dieser Chance (und von
ihrer Neugier) gern einmal beeindrucken lassen. Dass man dann bei dieser Gelegenheit gleich etwas einkauft, liegt auf
der Hand (siehe oben).
Als Glücksbringer haben Sie folgende Einsatzmöglichkeiten:
1. Sie setzen sich auf einen besonderen Platz, wo Sie von jedermann gut gesehen werden können - eventuell sogar ins
Schaufenster - und dürfen von den Passanten bestaunt und - je nach Möglichkeit - auch einmal angefasst werden. Hierzu
müssen Sie dann allerdings auch eine rußgeschwärzte Jacke tragen, da es ja sonst nichts „anzufassen“ gibt. Bei dieser
Gelegenheit können Sie Werbeprospekte des Hauses verteilen oder eine Kleinigkeit (etwa Marzipanschweinchen oder
Schokoladenhufeisen) verkaufen oder auch verschenken.
2. Für Menschen, die den Schornsteinfeger mit Glück und Freude verbinden, ergibt sich eine besondere Perspektive, wenn
Sie sich als Fotomotiv präsentieren. In Zusammenarbeit mit einem Fotografen können Sie auch die/den Kundin/Kunden
umarmen oder sich freundlich lächelnd daneben stellen. Sofern Sie dabei auch noch ein niedliches Ferkelchen bei sich
haben und der Person auf den Schoß setzen oder selbst im Arm halten, will sich bestimmt so manch einer mit diesem
Motiv als Hintergrund ablichten lassen. Hierbei, wie auch im Fall Nr. 1 werden Sie auf eine stundenweise Bezahlung für
Ihren Job bestehen.
3. Schließlich können Sie auch als Glücksbringer für bestimmte „freudige Botschaften“ fungieren, z. B., wenn jemand im
Lotto, Toto oder bei der Lotterie gewonnen hätte, bei einem Preisausschreiben einer Zeitung den Ersten machte oder
ganz einfach wenn ein besonderer Glückwunsch überbracht werden soll.
Da öffnet dann die Hausfrau die Wohnungstür und Sie stehen - gekleidet als Berufs-Glücksbringer - davor, um ihr zu
sagen, das der Ehemann irgendwo in der Ferne weilend an sie gedacht hat. Bei dieser Gelegenheit werden dann Blumen,
ein kleines Geschenk oder ein persönlicher Brief überreicht.
Glücksboten in dieser Form können von Blumengeschäften für ihre Fleurop-Lieferungen „geordert“ werden, von Bäckern und
Konditoren, die (schwarz-auf-weiß) ihre Torten für die Verlobung, Hochzeit oder das Jubiläum ausliefern, aber auch von
Betrieben, die Chefs, Jubilaren usw. eine besondere Freude bereiten wollen.
Mit einem „schwarzen Glücksbringer“ kann man die glückliche Geburt eines gesunden Sohnes oder einer reizenden Tochter
ankünden und so manches andere mehr.
Abgesehen davon, dass man Sie für die jeweiligen „Botschafterdienste“ anrufen und gewissermaßen „mieten“ kann, liegt
es natürlich auf der Hand, gleichzeitig einen Vertrieb mit „Glücksbringern“ zu unterhalten. Das reicht vom Verkauf
sogenannter Glückssymbole, wie Amulette, Kleeblätter, richtiger oder auch nachgemachter Hufeisen usw. bis zum Foto des
Schornsteinfegers mit schwarzem Daumenabdruck.
Vor Jahren kam ein junger Mann mit seinen Freunden in die verlassene Werkstatt seines Vaters, eines Schmiedes, um sich
dort einmal umzusehen. Der Sohn hatte das Schmiedehandwerk auch noch gelernt, es nach dem Tode seines Vaters aber
nicht mehr ausgeübt, sondern war in die Stadt gegangen, um dort Kfz-Mechaniker zu werden.
Aus Spaß, nahm er ein altes Roheisen und formte daraus ein Hufeisen. Die Freunde waren begeistert und schlugen sich
bald um diesen Glücksbringer. Daraufhin machte der ehemalige Schmied für jeden der Freunde ein Exemplar und hatte
einen ganzen Tag lang damit zu tun. Einige der jungen Leute befestigten ihr Exemplar am Kühlergrill ihres Autos und
damit war eine neue Geschäftsidee geboren! Der ehemalige Schmied nahm allen Ernstes den Betrieb der Schmiede wieder
auf und stellte Tag für Tag in jeder freien Minute Hufeisen her. Sehr schnell erfand er eine Montageplatte für die „Horse-shoes“
und verkaufte soviel wie er herstellen konnte, über die Firma, in der er als Mechaniker tätig war.
Diese Idee hat sich auch bei uns durchgesetzt. Zwar werden längst kaum „richtige Hufeisen“, sondern Nachbildungen aus
Kunststoff, verchromt und eloxiert verkauft, aber die Glücksbringer sind sehr beliebt. Man kann sie mit Montageplatte
bzw. einer Grundplatte beziehen, auf der zusätzlich die Namensinitialen oder bestimmte Bildmotive aufgebracht werden
können. Es sind aber auch solche Motive wie Kleeblatt, Marienkäfer, Fliegenpilze, Hase, Anker, Pferd oder
Firmenzeichen machbar.
Für verwöhnte Autofahrer gibt es ein Original-Kühlergrill-Hufeisen in massiver Metallausführung, verchromt, mit 7
Hufnagellöchern und geschmiedeten Stollen, extra zehenlastig abgelaufen, mit Gewindezapfen einschließlich
Montagezubehör, verpackt in einem Schmucketui. Einkaufen können Sie diese Glücksbringer für den Autofahrer bei z. B.
der
Herbert Richter GmbH & Co.
Metallwaren-Apparatebau-Formenbau
Birkenfelder Straße 1-7
75180 Pforzheim.
Solche Glücksbringer-Symbole können Sie beispielsweise in Verbindung mit Ihren anderen Aktivitäten den Kunden zum
Verkauf anbieten. Sie können aber auch einmal die Probe aufs Exempel machen und sich in einem Schornsteinfegeranzug
mit Zylinder auf den nächsten Flohmarkt, auf ein Messegelände oder in die Fußgängerzone einer Großstadt setzen und
diese und andere Produkte dort verkaufen. Hierzu genügt ein Klapptisch für die Präsentation der Waren, sowie ein
Stuhl, worauf Sie sich setzen. Neben dem Verkauf der „Glücksbringer“ bieten Sie sich dann gegen Honorar als
„Fotomodell“ für die verschiedenen Zwecke an.
Sogenannte Glücks- und Talismananhänger bekommen Sie u. a. von den folgenden Firmen:
Ottmar Botzenhardt KG
Am Eichenrain 631
73527 Schwäbisch Gmünd
Friedrich Knödler GmbH & Co. KG
Karl-Benz-Straße 15
73529 Schwäbisch Gmünd
Rudolf Walz
Vogelsangstraße 29
75239 Eisingen
Jungmann KG
Postfach 10 06 24
32506 Bad Oeynhausen.
Übrigens bekommen Sie auch alles, was Sie als echter oder nachgemachter Schornsteinfeger brauchen, angefangen vom
Anzug und Zylinder, über Thermometer, CO-2-Messgeräte usw. bis zu den Drucksachen mit speziellem Briefkopf u. a. von
folgender Adresse:
Kaminkehrer-Verkaufszentrale Armin Kurz
Pettenkoferstraße 31
80336 München.
Dass Sie als rußgeschwärzter Vertreter eines leider langsam aussterbenden Berufszweiges mehr verkaufen, als mit frisch
gewaschenem Gesicht, liegt in der Natur der Sache. Dabei muss man ja nicht gerade wie ein Mohr aussehen.
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